Landschaften, die keine
(Natur) Landschaften sind

Die sechs historischen hannoverschen Landschaften sind dem Gemeinwohl verpflichtete Körperschaften des öffentlichen Rechts mit jahrhundertelanger Geschichte.

So haben Sie beispielsweise seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Feuerversicherungen gegründet.
Bis zum heutigen Tag sind sie Träger der Landschaftlichen Brandkasse Hannover.

Historie

Aufgaben & Trägerschaften

Unsere Landschaften

Historie

Kirche,

Adel und Städte

– die politisch einflussreichsten gesellschaftlichen Gruppen des Mittelalters – fanden sich in einer ständischen Interessengemeinschaft zusammen. Diese drei Gruppen, auch Kurien genannt, bildeten die Landstände oder Landschaft. Auf Versammlungen, Landtage genannt, wurden Fragen, die das ganze Land betrafen, mit dem Landesherrn verhandelt. Es gelang den Landständen im Laufe der Zeit sich so zu etablieren, dass der Landesherr von der Steuerbewilligung bis zur Lösung verwickelter Erbschaftsansprüche keine Entscheidungen mehr ohne die Einwilligung der Landschaften treffen konnte.

Anfangs fanden die Landtage noch unter freiem Himmel statt, so zum Beispiel im Fürstentum Lüneburg zwischen 1355 und 1652 in einem Waldstück bei Hösseringen. Späterhin errichteten die Landstände für ihre Versammlungen feste Häuser in den Residenzstädten wie beispielsweise in Hannover oder Hildesheim.

Im Zeitalter des Absolutismus versuchten die Landesherren den Einfluß der Landstände stark einzuschränken. Im Kurfürstentum Hannover gelang dieses Ansinnen nicht, da der Landesherr seit 1714 als Herrscher über das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland in London residierte. Im Gegenteil, während der Zeit der Personalunion konnten im Kurfürstentum die sechs Landschaften ihren Einfluß noch ausbauen, bishin zum Recht, Steuern erheben zu können.

Georg II. von England und Kurfürst von Hannover genehmigte 1750 die Gründung einer Feuer-Assecurations-Societaet in den Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen. 

In dieser Epoche bewirkten die Landstände viele gemeinwohlorientierte Vorhaben, unter anderem ab 1750 die Gründung von Feuerversicherungen, die sich dann 1882 zur Vereinigten Lanschaftlichen Brandkasse zusammenschlossen.

Landschaften gab es früher überall. Heute gibt es sie nur noch in Niedersachsen, im Gebiet des vormaligen Königreichs Hannover – und das ist einmalig in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Nachwievor sind die Landschaften in drei Kurien gegliedert (1. Kurie = Ritterschaft, 2. Kurie = Städte, 3. Kurie = Bauern) und die jährlichen Hauptversammlungen sind die Landtage. Neben der Trägerschaft der Trägerschaft der Landschaftlichen Brandkasse erfüllen die Landschaften heute vornehmlich kulturelle Aufgaben, fördern das Geschichtsbewusstsein und einige sind auch Mitträger überregional bedeutsamer Museen, so in Hoya, Celle oder Lüneburg. Nächst den Kirchen sind die hannoverschen Landschaften die ältesten kontinuierlich tätigen Institutionen in unserem Lande und seit Jahrhunderten dem Gemeinwohl verpflichtet.

1582

1556

1531

1459

1394

1392

1322

Otto der Ältere, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, verkauft die Münze an die Ritterschaft und die Stadt. Pfennige sollen in Zukunft nur noch in der Altstadt Hannover geschlagen werden

1322

1582

1556

1531

1459

1394

1392

Die Landesherren machen die Ständen, den Prälaten und der Ritterschaft, die sich nun in einer ständischen Gewalt organisieren, Zugeständnisse an Rechten und Freiheiten.

1582

1556

1531

1459

1392

1322

1394

Der Schiffgraben wird erstmals namentlich erwähnt.

1582

1556

1531

1394

1392

1322

19. Nov. 1459

Wiedervereinigungs- und Erbschaftsvertrag zwischen der Ober- und Niedergrafschaft Hoya für den Fall des Aussterbens einer Linie der Grafen von Hoya.

Diesen Vertrag bekräftigen erstmals alle Landstände in der Grafschaft, d.h. der Klerus, die Ritterschaft, die Städte und Flecken, sowie die freien Bauern.

1585

1582

1556

1459

1394

1392

März 1531

Die drei Kurien der Landschaft (Stände) sind eine feste Einrichtung der Grafschaft Hoya. Die Äbte bzw. Äbtissinnen, die Prälaten und die Ritterschaft bilden die erste Kurie, die Delegierten der Städte und Flecken die zweite und die freien Bauern die dritte Kurie.

1672

1585

1582

1531

1459

1394

1556

Die Kurien der Diepholzer Landschaft („semptlichen Landtschafft“) bezeugen durch Unterschrift und Siegel eine Urkunde von Graf Rudolf von Diepholz.

1702

1672

1585

1556

1531

1459

25. Februar 1582

Das Grafengeschlecht von Hoya stirbt mit Graf Otto VIII. aus. Die Welfenherzöge ergreifen Besitz von der Grafschaft Hoya.

1755

1702

1672

1582

1556

1531

21. Sept. 1585

Das Grafengeschlecht von Diepholz stirbt mit Graf Friedrich aus. Die Grafschaft Diepholz fällt an die Welfenherzöge.

1763

1755

1702

1585

1582

1556

1672

Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg ordnet die Einberufung der Kontributionskommission an, die eine neue Landschaftsmatrikel erstellen soll.

1814

1763

1755

1672

1585

1582

21. Februar 1702

Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg bestätigt die Matrikel der oberhoyaschen und der niederhoyischen Ritterschaft.

1818

1814

1763

1702

1672

1585

24. Dez. 1755

„Verordnung wegen der in der Grafschaft Hoya und Diepholz errichteten Brand-Assecurations-Societät.“

1832

1818

1814

1755

1702

1672

11. Nov. 1763

Verordnung zur Errichtung einer Rittermatrikel in den Grafschaft Hoya.

1861

1832

1818

1763

1755

1702

15. Dez. 1814

Erster allgemeiner Landtag der „Landstände aus allen Provinzen Hannovers“. Die provisorische Ständeversammlung tritt als erstes deutsches Parlament nach der Befreiung von der französischen Fremdherrschaft in Hannover zusammen.

1863

1861

1832

1814

1763

1755

19. Oktober 1818

Die Stände der Grafschaften Hoya und Diepholz werden von der Regierung aufgefordert, sich zu einer Landschaft zu vereinigen.

1863

1863

1861

1818

1814

1763

21. Januar 1832

Erste Vereinbarung zur Vereinigung der Hoyaschen mit der Diepholzschen Landschaft, die aber aufgrund des Einspruchs der Hoyaschen Landschaft nicht zur Ausführung kommt.

1873

1867

1863

1814

1818

1763

März/April 1861

Die Hoyasche Landschaft kauft das Quaet-Faslem- Haus als Domizil für die Landschaft und das landschaftliche Archiv.

1877

1873

1867

1861

1832

1818

4. März 1863

Die Hoyasche Landschaft einigt sich mit den Diepholzer Ständen über eine gemeinsame Verfassung.


3. Mai 1863

König Georg V. genehmigt die Verfassung der Hoya- Diepholz’schen Landschaft.


3. Oktober 1863

Konstituierender Landtag der Hoya-Diepholz’schen Landschaft.

1884

1877

1873

1863

1861

1832

22. Sept. 1867

„Verordnung betr. die Provinziallandschaften im Gebiet des vormaligen Kgr. Hannover“, durch die den Landschaften ihr Mitwirkungsrecht bei der Gesetzgebung entzogen und nur noch „die Wahrnehmung kommunaler Angelegenheiten der Landschaftsbezirke“ zugestanden wird. Die alte Bezeichnung Provinziallandschaft wurde abgeschafft und nur noch der Begriff Landschaft erlaubt. Die Landräte heißen fortan Landschaftsräte, um sie nicht mit den preußischen Landräten zu verwechseln.

1928

1884

1877

1867

1863

1861

1. Januar 1873

Die Hoya-Diepholz’sche Brandkasse vereinigt sich mit der Vereinigten landschaftliche Brandkasse Hannover.

1949

1928

1884

1873

1867

1863

12. Dez. 1877

Die von der 1. Kurie der Hoya-Diepholz’schen Landschaft gegründete „Unterstützungskasse für hülfsbedürftige eheliche Töchter verstorbener Gutsbesitzer“ wird genehmigt.

1971

1949

1928

1877

1873

1867

6. Mai 1884

Erlass der Kreisordnung, durch die auch im Bereich der Hoya-Diepholz’schen Landschaft der Kreistag die „Stellung als Wahlorgan zur 3. Kurie“ übernimmt.

1973

1971

1949

1884

1877

1873

1928 – 1931

Es droht die Auflösung der Landschaften.

1984

1973

1971

1928

1884

1877

15. Nov. 1949

Nachdem die Hoya-Diepholz’sche Landschaft seit 1932 keinen Landtag mehr abgehalten hat, muss sie sich auf dem ersten Nachkriegslandtag neu konstituieren.


1949-1954

Einrichtung des Museums im Quaet-Faslem-Haus.

1991

1984

1973

1949

1928

1884

20. Mai 1971

Erstes „Himmelfahrtstreffen“ der 1. Kurie auf dem Rittergut Hardenbostel.

1991

1984

1971

1949

1928

1884

13. Mai 1973

Die meisten Akten des Landschaftsarchivs werden als Depositum ins Staatsarchiv Hannover, Magazin Pattensen gegeben.

1991

1973

1971

1949

1928

1884

31. Januar 1984

Die Stiftungsurkunde und Satzung „Stiftung Martinskirche Hoya“ wird von der Bezirksregierung genehmigt.

1984

1973

1971

1949

1928

1884

1991

Gründungsversammlung des Landschaftsverbandes „Weser-Hunte e.V.“ in Diepholz.

Aufgaben & Trägerschaften

Träger der Landschaft­lichen Brandkasse

Die sechs hannoverschen Landschaften sind bis heute Träger der Landschaftlichen Brandkasse, die gemeinsam mit der 1918 gegründeten Provinzial Lebensversicherung die Versicherungsgruppe Hannover (VGH) bildet.

Kultur­förderung

Besonderes Anliegen ist den Landschaften aber das Geschichtsbewußtsein. Sie fördern es durch Publikationen zur Orts- und Landesgeschichte, Veranstaltung von Tagungen oder auch dadurch, daß sie Mitglieder von Trägergesellschaft für Museen sind.

Soziales Engagement

Die Förderung von sozialen Projekten ist für die Landschaften eine gesellschaftliche Pflicht.
Die Bandbreite reicht von Sprachkursen für Migranten bis zur Ausbildung von Tagesmüttern.

Unsere Landschaften

Bremen Verdensche Landschaft

Landschaft der Herzogtümer Bremen und Verden

Calenberg Grubenhagensche Landschaft

Calenberg-Grubenhagensche Landschaft

Hildesheimsche Landschaft

Landschaft des vormaligen Fürstentums Hildesheim

Hoya Diepholzsche Landschaft

Hoya-Diepholz’sche Landschaft

Landschaft des vormaligen Fürstentums Lüneburg

Osnabrücksche Landschaft

Landschaft des ehemaligen Fürstentums Osnabrück

Finden Sie Ihre zuständige Landschaft.

Bitte geben Sie Ihre PLZ ein.

 

VGH Versicherungen & VGH-Stiftung

VGH Versicherungen

Die VGH Versicherungen sind 1957 durch den Zusammenschluss der beiden traditionsreichsten Versicherungen in Niedersachsen entstanden: der Landschaftlichen Brandkasse Hannover und der Provinzial Lebensversicherung Hannover. Seit 2001 kamen die Provinzial Krankenversicherung Hannover AG und die Provinzial Pensionskasse Hannover AG dazu.


www.vgh.de

VGH-Stiftung

Im Jahr 2000 nahmen die VGH Versicherungen das 250-jährige Jubiläum der Landschaftlichen Brandkasse zum Anlass, den Gemeinwohlgedanken noch einen Schritt weiter zu denken und einen Dank an das Land zurückzugeben: Die VGH-Stiftung wurde als private Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet.
Ziel der Stiftung ist es, im Geschäftsgebiet der VGH Versicherungen Projekte in den Bereichen Wissenschaft, Kultur – hier mit den Schwerpunkten Denkmalpflege, Literatur, Bildende Kunst, Museumspädagogik – und Mildtätigkeit zu fördern.

www.vgh-stiftung.de

© Helge Krückeberg

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